Anlässlich des „Tags der Arbeitslosen“ am 30. April weist arbeit plus Vorarlberg auf die angespannte Lage am regionalen Arbeitsmarkt hin. Angesichts steigender Arbeitslosenzahlen und einer dramatischen Zunahme der Langzeitarbeitslosigkeit fordern Soziale Unternehmen verstärkte politische Investitionen in den sozialen Zusammenhalt und innovative Beschäftigungsmodelle.
Prekäre Lage am Arbeitsmarkt. Seit 2023 verzeichnet Vorarlberg einen deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit. Im März waren insgesamt 13.871 Personen arbeitslos gemeldet oder befanden sich in Schulungsmaßnahmen des AMS – das sind 572 Menschen mehr als im Vorjahr. Besonders besorgniserregend ist die Entwicklung bei der Langzeitarbeitslosigkeit: Rund 3.600 Personen finden bereits seit über einem Jahr keine Arbeit, was einem Zuwachs von etwa 700 Personen im Vergleich zum Vorjahr entspricht. arbeit plus warnt eindringlich vor den negativen Auswirkungen dieser Entwicklung auf die Gesundheit der Betroffenen, die regionale Wirtschaftskraft und auf den sozialen Zusammenhalt.
Soziale Unternehmen als Stabilitätsanker Das Netzwerk arbeit plus Vorarlberg – bestehend aus AQUA Mühle, carla Vorarlberg (Caritas), Integra Vorarlberg, den Kaplan Bonetti Arbeitsprojekten und den Dornbirner Jugendwerkstätten – leistet als Partner von Land und AMS einen wesentlichen Beitrag zur (Re-)Integration benachteiligter Menschen. Diese Sozialen Unternehmen verbinden wirtschaftliches Handeln mit einem klaren sozialen Auftrag:
- Hohe Eigenfinanzierung: Die Betriebe erwirtschaften etwa 60 Prozent ihrer Mittel selbst, was ihre Effizienz und ihren Beitrag zur regionalen Wertschöpfung unterstreicht.
- Regionale Verankerung: Sie fungieren als verlässliche Partner für Kommunen und die heimische Wirtschaft, indem sie Infrastrukturaufgaben übernehmen und Produktionsverträge unter wirtschaftlichem Druck erfüllen.
- Win-win-Situation: Laut Wirtschaftslandesrat Marco Tittler schafft diese Kooperation einen Mehrwert für die gesamte Gesellschaft, da sie Sozialleistungen einspart und die regionale Kaufkraft stärkt.
Best Practice: carla Tex in Hohenems. Ein regionales Beispiel für eine arbeitsmarktpolitische Maßnahme und den Wert Sozialer Unternehmen ist Österreichs einziges Textil-Vollsortierwerk. Jährlich werden über 1.500 Tonnen Gebrauchtkleider sortiert. Wer als temporäre:r Mitarbeiter:in zu carla Tex kommt, kommt über das AMS. Langzeitbeschäftigungslosigkeit, Gesundheitseinschränkungen, ein Leben, das irgendwann aus dem Takt geraten ist. Hier lernen die Mitarbeitenden wertvolle Kompetenzen in den Bereichen Materialflüsse und Textilqualität – Wissen, das im Rahmen des europäischen Green Deals als wichtige Zukunftskompetenz gilt. Bernhard Bereuter, Landesgeschäftsführer des AMS Vorarlberg, betont: „Für das AMS ist besonders wertvoll, dass hier arbeitslose Personen mit erschwertem Zugang zum Arbeitsmarkt qualifiziert und beschäftigt werden. Für viele Menschen eröffnen sich dadurch völlig neue Perspektiven.“.
Forderungen an die Politik Kompetenz und Engagement der Sozialen Unternehmen allein reichen jedoch nicht aus, um die Herausforderungen der nächsten Jahre zu bewältigen. Harald Panzenböck, Obmann von arbeit plus Vorarlberg, fordert daher:
- Ein klares Bekenntnis der Politik zur Weiterentwicklung langfristig geförderter Beschäftigungsmodelle.
- Eine stabile finanzielle Basis für Soziale Unternehmen.
- Gezielte Maßnahmen für einen inklusiven Arbeitsmarkt, die neben Beratung und Qualifizierung auch dauerhafte Beschäftigungsperspektiven bieten.
„Unsere gesellschaftspolitische Vision ist eine bedürfnisgerechte, qualitätsvolle und existenzsichernde Beschäftigung für alle“, so Panzenböck und Geschäftsführerin Ulli Schmid-Santer abschließend.
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Über arbeit plus Vorarlberg: Das Netzwerk vereint die fünf großen Sozialen Unternehmen des Landes (AQUA Mühle, carla Vorarlberg, Integra Vorarlberg, Kaplan Bonetti, Dornbirner Jugendwerkstätten). Gemeinsam setzen sie sich für die soziale und berufliche Integration von Menschen ein, die es am ersten Arbeitsmarkt schwer haben.
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Den gesamten Artikel über carla Tex „Das zweite Leben der Dinge“ finden Sie unter Perspektivenwechsel Das zweite Leben der Dinge .





